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	<title>Nirgendsland</title>
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	<description>Eine interdisziplinäre Reise durch Osteuropa</description>
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		<pubDate>Wed, 02 Oct 2013 19:27:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nirgendsland</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nirgendsland auf Facebook, YouTube, Gudberg Die Künstlerin Bettina Marx und die Journalistin Johanna Schoener sind unterwegs im Nirgendsland zwischen Portugal und Rumänien. Sie treffen Europäer, die selten zu Wort kommen, und sammeln Eindrücke, die oft übersehen werden. Neunzehn Menschen aus zehn EU-Ländern erzählen von ihrem Alltag, ihren Erinnerungen und Sehnsüchten. Malereien und Zeichnungen gehen auf [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nirgendsland auf <a title="Nirgendsland auf Facebook" href="https://www.facebook.com/nirgendsland" target="_blank">Facebook</a>, <a title="Nirgendsland - das Buch auf Youtube" href="http://www.youtube.com/watch?v=kPwXO-TIaNI" target="_blank">YouTube</a>, <a title="Nirgendsland beim Gudberg Verlag" href="https://www.gudberg.de/gud/?p=4161" target="_blank">Gudberg</a></p>
<hr />
<p><em>Die Künstlerin Bettina Marx und die Journalistin Johanna Schoener sind unterwegs im Nirgendsland zwischen Portugal und Rumänien. Sie treffen Europäer, die selten zu Wort kommen, und sammeln Eindrücke, die oft übersehen werden. Neunzehn Menschen aus zehn EU-Ländern erzählen von ihrem Alltag, ihren Erinnerungen und Sehnsüchten. Malereien und Zeichnungen gehen auf ihre Umgebung ein.</em></p>
<p><em>Nirgendsland ist weder Reisebericht noch Kunstkatalog, weder Sachbuch noch Erzählband, es ist von allem etwas. Vor allem aber ist es ein Buch voller überraschender Ansichten und persönlicher Entdeckungen. Es zeigt Europa ganz anders und ganz nah – in ungewöhnlichen Porträts, farbenfroh und meinungsstark.</em></p>
<p><em>Ist die EU mehr als ein Wirtschaftsraum? Gibt es eine gemeinsame Identität? Antworten auf das Große zeigen sich im Kleinen. Die Stimmung entsteht aus dem einzelnen Gefühl. Und mit jeder Person wächst die Zuneigung zu Europa. Ein Mosaik aus Farben, Kontrasten und Geschichten.</em></p>
<p>Buch bestellen: im <a title="Gudberg Shop" href="https://shop.gudberg.de/shop/nirgendsland/" target="_blank">Gudberg Shop</a>; bei <a title="amazon" href="http://www.amazon.de/NIRGENDSLAND-Eine-Reise-durch-Europa/dp/3943061272/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1387877149&amp;sr=8-1&amp;keywords=nirgendsland" target="_blank">amazon</a></p>
<p><em> </em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1809" alt="gudberg_artikel2" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2013/10/gudberg_artikel2.png" width="900" height="3005" /></p>
<p>Fotos: Gudberg</p>
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		<title>Geboren am 14.06.1991 in Badajoz; Biologiestudent</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Mar 2013 17:09:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nirgendsland</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zum Glück ist Alejandro Sanchez Diaz heute anders als sonst – er ist spontan. Sofort erklärt er sich bereit, mit uns zu reden, während er auf der Bank vorm Biologie-Institut sitzt und auf seine praktische Übung um 16 Uhr wartet. Der weiße Kittel liegt akkurat gefaltet neben ihm. Eigentlich sei er ein rationaler Typ und [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zum Glück ist Alejandro Sanchez Diaz heute anders als sonst – er ist spontan. Sofort erklärt er sich bereit, mit uns zu reden, während er auf der Bank vorm Biologie-Institut sitzt und auf seine praktische Übung um 16 Uhr wartet. Der weiße Kittel liegt akkurat gefaltet neben ihm. Eigentlich sei er ein rationaler Typ und denke über alles ein paar Mal nach, bevor er eine Entscheidung fälle, sagt er. Seine Stimme zittert ein wenig. Vielleicht, weil er aufgeregt ist, nachdem wir ihn so überfallen haben. Vielleicht, weil es ihn trotz des dicken schwarzen Kapuzenpullis fröstelt. Die Sonne scheint zwar kräftig an diesem Märztag, doch im Schatten ist es noch kühl. Nur wenige Studenten sind in der Mittagspause auf dem weitläufigen Gelände der Universität der Extremadura geblieben, obwohl es mit den vielen Bäumen, Wiesen und Bänken weit schöner ist, als man es in der spanischen Grenzstadt im Südwesten erwartet hätte. Badajoz ist zwar die größte Stadt der Provinz Extremadura, gehört aber sicher nicht zu den Orten in Spanien, um die sich Erasmusstudenten reißen. Kein Wunder, meint Alejandro. </em></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1715" alt="Alejandro Sanchez Dias" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2013/03/alejandro-33.png" width="901" height="2476" /></p>
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		<title>Geboren am 03.09.1950 in Lissabon; Rheumatologe</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Mar 2013 18:01:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nirgendsland</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Lissabon]]></category>
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		<description><![CDATA[Noch bevor wir im Flugzeug von Hamburg nach Lissabon die Sitzgurte angelegt haben, sind wir im Gespräch. Ob vom Rheumatologen-Kongress in Hamburg, seiner späten großen Liebe Teresa oder den großartigen Golf-Plätzen auf Madeira – António Vilar erzählt lebhaft über Lärm und Verständigungsschwierigkeiten hinweg. Und er ist auch gern bereit, das zwei Tage später in seiner [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Noch bevor wir im Flugzeug von Hamburg nach Lissabon die Sitzgurte angelegt haben, sind wir im Gespräch. Ob vom Rheumatologen-Kongress in Hamburg, seiner späten großen Liebe Teresa oder den großartigen Golf-Plätzen auf Madeira – António Vilar erzählt lebhaft über Lärm und Verständigungsschwierigkeiten hinweg. Und er ist auch gern bereit, das zwei Tage später in seiner Privatpraxis fortzuführen. An einem Montagvormittag empfängt er uns in seinem Sprechzimmer im zweiten Stock, während draußen der Morgenregen verdampft und langsam die Sonne durch die arztweißen Lamellenvorhänge dringt. Typisches Lissaboner Märzwetter, meint Vilar, und bittet uns, auf den zwei Stühlen für die Patienten Platz zu nehmen. Das Zimmer ist einfach eingerichtet, die Behandlungsliege schmal, der Drucker scheint das modernste Gerät zu sein. Vilar sitzt, ganz Arzt, auf der anderen Seite des Schreibtisches: Hier wirkt er mit seiner Glatze, den glattrasierten Wangen und dem beige karierten Sakko viel normaler als auf den Glamourfotos im Internet, die ihn mit seiner Frau auf Empfängen der Stadtprominenz zeigen. Während wir reden, kommt die ganze Zeit klassische Musik aus dem kleinen Radio neben den Patientenakten.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
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<div id="attachment_1721" class="wp-caption alignnone" style="width: 911px"><img class="size-full wp-image-1721" alt="antonio3-02" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2013/03/antonio3-02.png" width="901" height="611" /><p class="wp-caption-text">11.00 Uhr, im Behandlungszimmer, Clínica de Diagnóstico e Checkup Roma</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p>„Ich bin pensioniert, arbeite aber trotzdem.</p>
</blockquote>
<p>Nicht, weil ich, wie so manch anderer in Portugal, von meiner Pension nicht leben könnte. Nach 36 Jahren Arbeit im öffentlichen Gesundheitswesen und allerlei Nebentätigkeiten, bekomme ich 2300 Euro im Monat. Das ist viel für derzeitige Verhältnisse! Ich finde es aber nicht sonderlich viel – bei den hohen Ämtern die ich hatte. Zumal der Staat das 13. und 14. Monatsgehalt längst gestrichen hat. Der Hauptgrund, warum ich weiterarbeite ist, dass das meinem Kopf gut tut. Wenn ich jetzt aufhören würde, käme bestimmt das frühzeitige Alter. Außerdem kann man auch mit 62 Jahren noch wertvolle Beiträge leisten.<br /> Wenn man jung ist, hat man viel Energie, um Dinge anzupacken, aber man weiß noch nicht viel. Wenn man alt ist, hat man viel Wissen, aber die Energie lässt nach. <strong>Es ist wichtig zu schauen, in welcher Lebensphase sich Energie und Wissen besonders gut treffen. Ich glaube, das ist in den 50ern der Fall.</strong><br /> Ich bin mit Leib und Seele Rheumatologe. Die Rheumatologie wurde in Portugal erst recht spät als eigener Fachbereich erkannt, aber immer noch früher als in Deutschland. 1948 hat mein ehemaliger Chef das portugiesische Institut für Rheumatologie gegründet. Heute ist es die älteste Einrichtung der Welt, die sich ausschließlich den rheumatischen Krankheiten widmet. Nachdem ich als einer der ersten Ärzte meinen Doktor in dem Bereich gemacht habe, begann ich dort zu arbeiten. Später wurde ich erst ärztlicher Direktor und dann für fast zehn Jahre Präsident. Während meiner Präsidentschaft wurde das Gebäude saniert und wir mussten mit Finanzierungsproblemen klarkommen. Ich habe viele meiner Freunde eingespannt, um das Institut zukunftsfähig zu machen. Als ich das Amt abgegeben habe, war das auch eine Erleichterung. Es ist eine Bürde, für viele Leute verantwortlich zu sein. Und Administration und Management sind wirklich kompliziert in Portugal. Ich habe danach den Patientenverband Andar gegründet. Er gibt Rheuma-Betroffenen eine Stimme und hat heute viel Einfluss. Außerdem haben wir einen Tag der Rheumatologie ins Leben rufen, am 5. April. Früher kannten die meisten Menschen die Krankheit gar nicht, jetzt kann jeder zweite in Portugal etwas damit anfangen.<br /> Ich bin zufrieden, weil ich dadurch das Gefühl habe, etwas hinterlassen zu können. Ich sage immer: Wenn jeder von uns einen Baum pflanzen würde, gäbe es keine Wüsten. Das sollten wir machen! Aber viel zu wenige machen es. Die ehrenamtliche Arbeit, dieses Gefühl, etwas für andere zu tun, das ist ein sehr starker Antrieb für mich. Vorher habe ich viel für mich selbst gearbeitet.<br /> <strong>Wenn wir jung sind, denken wir immer, das nächste Ziel sei jetzt wahnsinnig wichtig und entscheidend: der Abschluss in Medizin, die Promotion, die weitere Spezialisierung – ich wollte überall immer besonders gut sein. Und es kam immer das nächste.</strong> Dadurch habe ich mein Privatleben vernachlässigt, meine erste Ehe ist daran gescheitert. Wenn ich mich noch mal entscheiden könnte, würde ich es anders machen. Dann würde es halt länger dauern, bis ich dieselben Ziele erreicht hätte.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p>„Wenn ich die jungen Leute heute sehe,</p>
</blockquote>
<p>mache ich mir große Sorgen, mehr als ein Drittel ist arbeitslos. Das ist ausgerechnet die Generation, der immer gesagt wurde: Bildung, Bildung, Bildung, dann wird alles gut! Die Jungen sind frustriert, weil sie trotz Universitätsabschluss keinen Job bekommen. Sie haben das Gefühl, wir Alten haben falsche Entscheidungen getroffen und schlecht investiert und nun trifft es sie. Und die Alten sind frustriert, weil ihre Rente gekürzt wird. <strong>Die Krise bringt die Generationen gegeneinander auf. Das kann eine Gesellschaft spalten.</strong> Die Krise hat ja auch schon die EU geteilt. Besonders die Deutschen sind schnell darin zu sagen: Die Griechen arbeiten nicht. Doch selbst wenn das stimmt, liegt es wohl auch daran, dass Deutschland Geld geschickt hat, damit sie nicht arbeiten. Diese verfehlte Politik der Agrarsubventionen! Uns in Portugal wurde gesagt, in Europa gebe es zu viel Milch, also haben wir aufgehört, sie zu produzieren und importieren sie. Uns wurde gesagt, wir sollten Schiffe abbauen, dabei grenzt unser Land zu zwei Dritteln am Meer. Wir haben die Landwirtschaft zurückgefahren, obwohl wir früher Selbstversorger waren. <strong>Und wir haben die Textilwirtschaft gestoppt, weil uns gesagt wurde, die Chinesen seien billiger. Die reichen Länder haben den Chinesen dann ihre Maschinen verkauft. Und nun sind sie es, die uns für diese Krise verantwortlich machen. Dabei war es nie die portugiesische Politik, die über die Zukunft entschieden hat, sondern die EU, die uns diktiert hat, was wir tun sollten und uns mit Geldern überschwemmt hat.</strong></p>
<p>Ich würde mir wünschen, dass die Entscheider auf europäischer Ebene anerkennen, dass das auch ein Grund für die Schwierigkeiten hier ist. Es mangelt an Solidarität und an Verständnis, gerade von Ländern wie Deutschland. Dort geht man einfach weiter und macht mit anderen Ländern Geschäfte. Das ist nicht der Geist, der in dieser Union stecken sollte – es macht mich pessimistisch. <br />Ich sehe, was um mich herum passiert, auch wenn es mir verhältnismäßig gut geht. Dass ich diese Privatpraxis haben kann, ist ein großes Glück. Höchstens zehn Prozent der portugiesischen Ärzte haben nur Privatpatienten. Bei mir kostet ein Besuch in der Sprechstunde im Schnitt 100 Euro. Die meisten meiner Patienten zahlen das privat – entweder, weil sie reich sind, oder, weil sie schlechte Erfahrungen bei anderen Ärzten gemacht haben und meine Meinung unbedingt wollen. Aber langsam kommt die Krise auch hier an. Früher mussten die Leute drei Wochen auf einen Termin bei mir warten, inzwischen kann ich ihnen schon in der Folgewoche einen geben. <br /><strong>Diese gesellschaftlichen Veränderungen sind leichter zu bewältigen, wenn man nicht allein ist. Als ich meine Frau Teresa vor vier Jahren traf, kam es mir vor, als wäre auf einmal alles möglich.</strong> Ich war in einem Extremzustand, Leidenschaft genannt. Wenn man leidenschaftlich ist, ist alles verrückt und schön. Man muss nichts mehr essen, nichts mehr trinken, möchte nur noch mit der anderen Person zusammen sein. <br />Ich versuche, mein privates Leben mit dieser bezaubernden Frau mehr zu genießen als früher. Neben allem anderen kocht Teresa auch noch fantastisch. Und sie spielt Golf! Als ich sie auf dem Flug nach Madeira zum ersten Mal gesehen habe, sah sie aus wie ein Star. Einmal waren wir für einen Monat getrennt. Irgendwann bin ich über die Mauer ihres Grundstücks geklettert, ich wollte sie zurückgewinnen. Um mich nicht am Stacheldraht zu verletzten, bin ich über die schmale Katzenleiter gekraxelt. Dann stand ich vor ihrer Tür und habe miaut. Teresa hat sie geöffnet, sie dachte, ich wäre eine ihrer acht Katzen. Wir haben uns wieder versöhnt, sind zusammengezogen, haben geheiratet. Manchmal nennt sie mich ihre Hauptkatze.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_1722" class="wp-caption alignnone" style="width: 911px"><img class="size-full wp-image-1722" alt="12.00 Uhr, im Behandlungszimmer, Clínica de Diagnóstico e Checkup Roma" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2013/03/antonio3-01.png" width="901" height="1233" /><p class="wp-caption-text">12.00 Uhr, im Behandlungszimmer, Clínica de Diagnóstico e Checkup Roma</p></div>
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		<title>Geboren am 07.06.1999 und am 18.07.1999; Schülerinnen</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Dec 2012 14:16:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nirgendsland</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<description><![CDATA[Die meisten Schüler sind nach der Weihnachtsfeier so schnell wie möglich gegangen. Gegen ein Uhr Mittag ist das Foyer des Gymnasiums leer, wie sonst nur während des Unterrichts. Die gelben Treppengeländer fallen vor dem grauen Sichtbeton der Wände noch mehr auf als sonst. Ab und zu begegnen sich einzelne Lehrer und Schüler, Satzfetzen wie „grandiose [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die meisten Schüler sind nach der Weihnachtsfeier so schnell wie möglich gegangen. Gegen ein Uhr Mittag ist das Foyer des Gymnasiums leer, wie sonst nur während des Unterrichts. Die gelben Treppengeländer fallen vor dem grauen Sichtbeton der Wände noch mehr auf als sonst. Ab und zu begegnen sich einzelne Lehrer und Schüler, Satzfetzen wie „grandiose Weihnachtsfeier“, „jetzt aber weg“, „mach et joot“ dringen zu uns herüber, dann entfernen sich  Schritte, leise quietschend auf dem dunklem Noppenboden. Hier am Gymnasium am Oelberg haben wir Abitur gemacht – zu Füßen des höchsten Gipfels des Siebengebirges, immerhin 460 Meter. Unsere leicht sentimentale Stimmung wird jäh unterbrochen von Maike Wilken und Friederike „Fritzi“ Hellmich. Sie quatschen schnell und fröhlich drauflos, wie es sich für Rheinländerinnen gehört. Beide sind 14 Jahre alt, haben lange Haare, tragen Röhrenjeans und Pullis mit Reißverschlüssen. Sie kennen sich seit der ersten Klasse, wohnen in einem Ort und spielen zusammen Tennis. Während sie uns ihren Klassenraum und später ihre Elternhäuser und ihre Tennishalle zeigen, überbieten sie sich mit Anekdoten und können dabei herrlich direkt über die jeweils andere reden. Besonders gern zählen sie ihre Gegensätze auf. Fritzi schminke sich, Maike sei nicht so ein typisches Mädchen, Fritzi mache ständig Sport, Maike esse die ganze Zeit, Fritzi sei manchmal zickig, Maike eher stur. Vor allem aber können sie nächtelang durchreden, haben meistens gute Laune und denken oft dasselbe. </em></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1780" alt="bild_sch_maikeneu1-03" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/12/bild_sch_maikeneu1-03.png" width="901" height="633" /> </p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p>„Mit einem Smiley-Tanz hat es angefangen&#8221;,</p>
</blockquote>
<p><b>sagt Fritzi,</b> „dabei haben Maike und ich uns kennengelernt. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern. Das war bei der Einschulung und ich war etwas allein, weil kein anderes Kind aus meinem Kindergarten auf diese Grundschule kam. Uns wurden Symbole zugeteilt, je nachdem, in welche Klasse man kam. Ich hatte einen Smiley, genau wie Maike. Meine Eltern sind irgendwie aufmerksam auf sie geworden, weil sie so riesig viele Haare hatte, so einen Flechtzopf. Naja, und dann kam dieser Smiley-Tanz mit der Klassenlehrerin. Und in der ersten Klasse fragt man sich dann halt so: Wollen wir Freunde sein?“<br /><b>Maike:</b> „Das war echt lustig. Danach haben wir uns immer besser verstanden. Irgendwann haben wir uns jeden Nachmittag angerufen und gefragt, ob wir uns treffen sollen. Vier Jahre später sind wir zusammen aufs Gymnasium gekommen. Meine Mutter wollte erst, dass ich auf die Mädchenschule nach Bonn gehe. Aber das wäre gar nicht gegangen. Ich komm nämlich richtig gut mit Jungs klar und wir haben voll viel mit den Jungs aus unserer Klasse zu tun.“<br /><b>Fritzi:</b> „Meine Mutter wollte mich auch erst auf eine andere Schule schicken, hat mir dann aber ziemlich freie Wahl gelassen. Maike und ich waren uns von Anfang an einig über die weiterführende Schule.“<br /><b>Maike:</b> „Aber wir haben nicht alle Fächer zusammen. Fritzi hat Spanisch gewählt und ich hab bilingual gewählt, das heißt, ich habe Geschichte und Politik auf Englisch. Englisch mag ich total gern, das kann ich fast fließend sprechen. Ich weiß gar nicht, warum. Das ist komisch, bei Vokabeln muss ich das Wort nur einmal lesen, dann weiß ich es. Meine Mama kann auch richtig gut Englisch, doch mein Vater schafft es zum Beispiel gerade mal, nach der nächsten Bushaltestelle zu fragen.“<br /><b>Fritzi:</b> „Mein Vater hat vor meiner Geburt öfter mal in England gearbeitet, der spricht fließend Englisch. Ich spreche auch gern fremde Sprachen, deswegen hab ich mich für Spanisch entschieden, als wir wählen konnten.“</p>
<p><b>Maike:</b> „Wir haben einen Spanier in unserer Klasse. Das war ziemlich lustig, weil der in der Spanisch-Arbeit eine zwei geschrieben hat neulich, keine eins, wie man ja erwartet hätte.“<br /><b>Fritzi:</b> „Außerdem haben wir ein paar Mitschüler, deren Eltern aus Polen kommen. Aber die sprechen fließend Deutsch, ich weiß gar nicht genau, wer überhaupt dazu gehört.“<br /><b>Maike:</b> „Meinem Freund Sinan sieht man auch nicht an, dass er Türke ist. Er hat blonde Haare und blaue Augen. Wir sind am ersten Weihnachtstag zusammengekommen. Er ist ziemlich verrückt, anders als die anderen, und kommt hier aus dem Ort. Sein Papa und meine Mama waren früher in einer Klasse.“<br /><b>Fritzi:</b> „Im Herbst hab ich einen Schüleraustausch nach Cognac gemacht. Das war richtig cool – und tierisch anstrengend. Ich musste immer um fünf aufstehen. Die Franzosen essen morgens nicht richtig, auch mittags nicht, eigentlich den ganzen Tag über nicht.“<br /><b>Maike:</b> „Ich mag Französisch gar nicht. Als dieser Austausch kam, hab ich zu Fritzi gesagt: Ne, da muss ich ja zehn Tage lang nur Französisch sprechen, keine Lust!“<br /><b>Fritzi:</b> „Meine Gastfamilie hat immer erst gegen 22 Uhr angefangen Abendbrot zu essen. Und da wurde erzählt und erzählt und erzählt. Es gab eine Tochter in meinem Alter, und noch zwei ältere Geschwister. Die waren alle ziemlich nett. Jeder hat über den anderen drüber geredet, ich hatte fast keine Chance, irgendwas zu verstehen. Dann sollte ich erzählen, wie mein Tag war, und da wurden immer alle still und haben mir zugehört. Die Schule war anders als bei uns. Lehrer stehen da viel höher. Wenn da ein Lehrer was erzählt, ist es wirklich komplett leise. Die setzen sich irgendwie besser durch.“</p>
<p><b>Maike:</b> „Fritzi und ich sehen uns nicht mehr ganz so oft wie in der Grundschule. Aber wenn es im Sportunterricht Partnerarbeit heißt, könnte ich mit niemand anderem zusammenarbeiten als mit Fritzi. Oder wenn’s ums Lernen geht: Wenn wir beide zusammen lernen, ist der Vokabeltest danach ne Eins.“<br /><b>Fritzi:</b> „Allerdings lernen wir vielleicht fünf Minuten pro Stunde. Die anderen 55 Minuten quatschen wir. Es dauert dann Stunden, bis wir die Vokabeln können.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1778" alt="bild_sch_maikeneu-03" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/12/bild_sch_maikeneu-03.png" width="901" height="633" /> </p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p>„Ich hasse Reihenhäuser&#8221;,</p>
</blockquote>
<p><b>sagt Fritzi,</b> „ich mag das irgendwie nicht, wenn alle Häuser da so gleich rumstehen. Wir sind nach Thomasberg gezogen, als ich zwei Jahre alt war – und bis vor kurzem haben wir in einem Reihenhaus gewohnt. Jetzt zum Glück nicht mehr.“<br /><b>Maike:</b> „Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus. Neben uns wohnt mein Opa und unter uns mein Onkel. Ich hab schon immer in diesem Haus gewohnt, meine Mama auch. Meine Familie hat fast alle Freunde hier. Ich kenne quasi komplett Thomasberg.“<br /><b>Fritzi:</b> „Stimmt, wenn wir zusammen durch den Ort laufen, grüßt Maike fast jeden. Meine Familie ist zugezogen. Mein Vater arbeitet in Bonn bei T-Mobile. Aber was er da genau macht, weiß ich nicht – es hat irgendwas mit Mathe zu tun. Meine Mutter ist zuhause. Ich habe einen Bruder, der ist dieses Jahr auf unsere Schule in die fünfte Klasse gekommen.“<br /><b>Maike:</b> „Mein Papa arbeitet bei IQWiG. Das heißt Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Ist halt auch sowas wie bei Fritzis Vater, nur hat es weniger mit Mathe zu tun, mehr mit Computerzeugs. Meine Mama arbeitet auch nicht. Ich bin Einzelkind, das ist lustig, weil ich der Mittelpunkt in unserer Familie bin.“</p>
<p><b>Fritzi:</b> „Maike und ich spielen zusammen Tennis, unsere Halle liegt total schön am Waldrand.“<br /><b>Maike:</b> „Ich liebe Tennis, aber eigentlich ist es nicht so mein Sport. Einmal bin ich gebremst und hatte einen Muskelfaserriss. Dann hatte ich vom normalen Spielen einen Tennisarm. Und zu guter Letzt bin ich noch gegen den Zaun gelaufen und hab mir den Arm gebrochen.“<br /><b>Fritzi:</b> „Das war lustig. Da haben wir gerade Doppel gespielt bei einem Turnier. Hinterher tat Maike mir natürlich leid. Ich hab ihr beim Tennis auch schon mal einen Ball in den Rücken geschlagen aus Versehen. Aber eigentlich bin ich diejenige, die mehr Angst haben müsste, Maike regt sich nämlich des Öfteren auf, wenn wir am Verlieren sind.“<br /><b>Maike:</b> „Fritzi kommt mir dann immer so mit: Bleib ruhig, ist doch alles cool.“<br /><b>Fritzi:</b> „Der Hauptgrund, warum wir verlieren, ist halt, dass wir uns viel zu sehr aufregen.“<br /><b>Maike:</b> „Durch meine ganzen Verletzungen war ich schon öfter im Krankenhaus. Ich finde es echt interessant, wie alles am Körper funktioniert. Deswegen möchte ich Ärztin werden.“<br /><b>Fritzi:</b> „Wir wollen später zusammen in Münster studieren und eine WG gründen, weil mein Opa da eine Wohnung hat. Ich weiß noch nicht genau, was ich werden will, vielleicht studiere ich Jura.“<br /><b>Maike:</b> „Die Wohnung von Fritzis Opa ist voll zentral. Eigentlich haben wir das alles schon durchgeplant.“<br /><b>Fritzi:</b> „Aber wir müssen uns wahrscheinlich noch einen Alternativplan überlegen, denn zum Studieren braucht man ja ein super Abi, mit Schnitt 1,3 oder so. Wir sind beide recht gut in der Schule, aber ganz so gut nicht.“</p>
<p><b>Maike:</b> „In der zehnten Klasse würde ich gern erst mal für ein Jahr nach England oder so.“<br /><b>Fritzi:</b> „Ich will auch weg, aber lieber nur drei Monate. Ich würde am liebsten nach Amerika.“ <br /><b>Maike:</b> „Das ist so weit.“<br /><b>Fritzi:</b> „Ich war mal mit meinem Vater in London. Noch weiter weg als Europa fände ich irgendwie spannender, das ist dann komplett anders. In Europa war ich schon viel mit meinen Eltern unterwegs – wir fahren öfter in die Toscana, in Norwegen war ich auch schon.“<br /><b>Maike:</b> „Meine Mutter ist auch voll der Fan von Sommerurlaub in Italien. Und in Österreich war ich ein paarmal zum Skifahren. Und auf Mallorca.“<br /><b>Fritzi:</b> „Am liebsten will ich später überall mal hin. Nach Australien und nach Amerika – eine Rundreise machen.“<br /><b>Maike:</b> „Und ich möchte nach Hollywood, den Schriftzug sehen.“</p>
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		<title>Geboren am 17.01. 1960; Bürgermeister</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Aug 2012 10:07:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nirgendsland</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kravare]]></category>
		<category><![CDATA[Tschechien]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; Sein Händedruck ist fest, die Stimme dunkel, der Kopf kahlgeschoren und rund um den Mund trägt er einen Henriquatre. Dieser Bart verdankt seinen Namen dem französischen König Heinrich den IV., der als machtbewusster Herrscher und lebenslustiger Frauentyp galt und von den Franzosen heute noch als „guter König“ verehrt wird.  Das passt zu Vít Vomáčka, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p><em>Sein Händedruck ist fest, die Stimme dunkel, der Kopf kahlgeschoren und rund um den Mund trägt er einen Henriquatre. Dieser Bart verdankt seinen Namen dem französischen König Heinrich den IV., der als machtbewusster Herrscher und lebenslustiger Frauentyp galt und von den Franzosen heute noch als „guter König“ verehrt wird.  Das passt zu Vít Vomáčka, wie er da in seinem Empfangszimmer auf dem für ihn zu klein wirkenden Sofa thront – hinter sich die Wand voller Bilder, die ihn mit wichtigen Menschen zeigen, zu seinen Füßen eine beeindruckende Sammlung hölzerner Schlangen, neben sich eine Übersetzerin zur Verständigung und die Grundschuldirektorin des Ortes zur allgemeinen Unterstützung. Später kommen noch zwei junge Frauen von der Lokalpresse dazu. Dennoch schafft Vít Vomáčka es mühelos, seine Aufmerksamkeit und seine Scherze gerecht in alle Richtungen zu verteilen. Er hat sich Zeit genommen an diesem Tag, um uns durch den Ort und seine Geschichte zu führen, uns die Kirche und die restaurierten deutschen Gräber auf dem Friedhof zu zeigen und mit uns in seinem Büro Kaffee zu trinken, Zigaretten zu rauchen und alle Fragen zu beantworten.</em></p>
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<hr />
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<blockquote>
<p> „Ein Terrarium mit einer echten Schlange,</p>
</blockquote>
<p>das hätte ich hier gern gehabt im Rathaus. Aber ich dachte, das ist vielleicht nicht so gut. Wegen der vielen Besucher und weil Tiere so viel Arbeit machen. Während meines Wehrdienstes musste ich mich um 40 Hunde kümmern, ich weiß also, wovon ich spreche. So ist es stattdessen eine Sammlung von Holzkobras geworden, die zwischen meinem Schreibtisch und der Sitzgruppe für Besucher stehen. Es kommen oft Leute vorbei, die etwas auf dem Herzen haben, mehr als ein Dutzend am Tag. Sie kommen, wenn sie einen Rat brauchen, weil es Streit mit dem Nachbarn gibt, wenn die Straßenlaterne an der Bushaltestelle nicht funktioniert oder um sich zu beschweren, dass das Gras noch nicht gemäht ist.<br />Kravare hat 820 Einwohner. Wir haben einen Kindergarten, eine Grundschule, ein Infozentrum und eine Kirche, die wir auch für kulturelle Veranstaltungen nutzen. Neulich haben Schüler dort ein Theaterstück aufgeführt, irgendwann hat doch tatsächlich ein Handy geklingelt! Aber das gehört wohl zu einem lebendigen Ort. Ich bin seit 21 Jahren Bürgermeister, kenne jeden und kümmere mich um alles. Ich habe schon viele Brautpaare getraut. Und bevor die EU unseren Schulbus und den Fahrer mitfinanziert hat, bin ich selbst rumgefahren, um die Kinder zur Grundschule zu bringen. Ich kenne sie alle mit Namen und sie kennen mich. Die Kinder winken mir, wenn ich an ihnen vorbeifahre. Mir ist das wichtig, dass man sich grüßt in so einem kleinen Ort, überhaupt, der Kontakt zu den Bürgern. Ich möchte wissen, was sie beschäftigt. <br />Was ich mache, mache ich für die Leute. Und das sollte auch die Philosophie des Gemeinderats sein, finde ich. Egal ob linkes Lager oder rechtes Lager. Es kommt darauf an, was man tut, es geht um die Sache. Auf politische Machtspielchen habe ich keine Lust. Deswegen bin ich auch nie in eine Partei eingetreten, sondern frei. Das macht die Arbeit im Bürgerrat nicht immer leicht. Um an ein Ziel zu kommen, bin ich immer auf die anderen Ratsmitglieder angewiesen. Mich ärgert nichts mehr als Faulheit, Dummheit und falsches Spiel. Ich bin für Offenheit, alle sollen sagen, was sie denken. Bei unserem jetzigen Rat funktioniert das gut, er ist der beste, den wir in meiner Amtszeit je hatten.“</p>
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<div id="attachment_1654" class="wp-caption alignnone" style="width: 910px"><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/buerger.png"><img class="size-full wp-image-1654" title="Vit Vomacka" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/buerger.png" alt="" width="900" height="640" /></a><p class="wp-caption-text">Der Empfang des Bürgermeisters von Kravare</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p>„Als Kniefall vor den Deutschen</p>
</blockquote>
<p>sind die Gedenktafeln nicht zu verstehen, die wir vor kurzem an den deutschen Gräbern auf dem Friedhof vor unserer Kirche haben anbringen lassen. Sie sind allein da, um der Toten zu gedenken. Wir sind hier in Nordböhmen nur wenige Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt, Kravare hieß früher Graber und war ein deutsches Dorf, ehemaliges Sudetenland. Jetzt ist es rein tschechisch. Die Grabsteine der Deutschen lagen lange Zeit verstreut in irgendwelchen Büschen und keiner hat sich um die Gräber gekümmert. Aber die Geschichte gehört zu diesem Ort, und der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, dass wir die Gräber wieder herrichten und eine Gedenktafel anbringen. Ich war überrascht, wie gut auch die Bürger die Restaurierung aufgenommen haben. Die ganz Alten genauso wie die ganz Jungen. Natürlich gab es wie bei allem, was man macht, einen, der dagegen gestänkert hat. Aber bei den meisten war die Neugier größer als die Skepsis und sie sind vorbeigekommen, um sich die Ruhestätten anzusehen. Bisher gab es keinen Vandalismus, das zeigt ja die Akzeptanz in der Bevölkerung. Aber ich habe auch versucht, sie darauf vorzubereiten und vorher erklärt, warum wir die Gräber restaurieren.<br />Eigentlich haben meine Eltern mich darauf aufmerksam gemacht, dass es sich gehören würde, sich um diesen Teil unserer Geschichte zu kümmern. Meine Mutter ist Grundschullehrerin und mein Vater Professor für Pädagogik und Psychologie. Unter den Russen durfte er nicht an der Hochschule lehren, deswegen wurde er bis zur Samtenen Revolution 1989 als Lehrer an verschiedene Schulen geschickt. Auch ich habe unter den politischen Zuständen gelitten, denn ich durfte nicht studieren. Ich habe dann eine Lehre als Traktorist gemacht, auf dem Feld gearbeitet und Maschinen repariert. Im Abendstudium bin ich später Ingenieur geworden.<br />Nun, dass ich mein Leben in einem Rathaus verbringe, hätte ich damals nicht gedacht. Ich hatte nie vor, Politik zu machen. Aber jetzt bin ich sieben Tage die Woche hier. Zum Schlafen fahre ich ins 14 Kilometer entfernte Ceska Lipa, wo ich bei meiner Mutter wohne. Den Weg nach Kravare morgens nutze ich zur Vorbereitung des Tages. Ich telefoniere dann immer mit meiner Sekretärin, die mir sagt, was alles ansteht. Eigentlich schlafe ich gern lang und da ich der Chef bin, erwartet keiner, dass ich pünktlich bin. Meistens bin ich trotzdem um acht Uhr morgens da. Oft bleibe ich bis in den späten Abend hinein, vor allem wenn Gemeinderatssitzungen sind, so wie heute. Oder ich gehe abends noch ins Fitnesszentrum in die Sauna. Das brauch ich zum Ausgleich, zur Entspannung. Krank war ich als Bürgermeister noch nie, obwohl, einmal hatte ich einen Schnupfen.<br />In meinem alten Leben war ich mal anderthalb Jahre verheiratet. Das war genug. Aber dadurch habe ich zum Glück zwei wunderbare erwachsene Töchter. Die Ältere ist Lehrerin und die Jüngere studiert. Wenn ich sehe, wie viel sie unterwegs ist, wie sie Sprachen lernt, dann denke ich: So soll es sein. Die Menschen sollen sich über Grenzen hinweg treffen, zusammensitzen, reden, sich Dinge erklären. Das ist die Zukunft.“</p>
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<p><em><span style="font-size: small;">(Herzlichen Dank an die Deutsche Botschaft Prag für die Unterstützung bei der Recherche.)</span></em></p>
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		<title>Holzarbeit</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Aug 2012 19:24:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schoener</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Slowakei]]></category>

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		<description><![CDATA[Was hier zu sehen ist, ist Bettinas Belohnung für verkehrswidriges Verhalten. Wieso? Das steht im dazugehörigen Text über Patrik Brindza. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/Holzarbeit.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1612" title="Holzarbeit" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/Holzarbeit.jpg" alt="" width="600" height="803" /></a></p>
<p>Was hier zu sehen ist, ist Bettinas Belohnung für verkehrswidriges Verhalten. Wieso? Das steht im dazugehörigen Text über <a href="http://nirgendsland.eu/patrik-brindza/">Patrik Brindza</a>. </p>
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		<title>Geboren am 6. Mai 1983; Polizist</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Aug 2012 08:29:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nirgendsland</dc:creator>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Korytne]]></category>
		<category><![CDATA[Slowakei]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; Kurz vor der slowakisch-ungarischen Grenze sehen wir zum ersten Mal die rote Kelle: Anhalten, Rausfahren, Polizeikontrolle. Ein junger Polizist kommt in der weißen Uniform der slowakischen Autobahnpolizei ans Busfenster und bittet mit einem umwerfenden Lächeln um Führerschein und Fahrzeugpapiere. Ohne Vignette zu fahren könne bis zu 140 Euro kosten, erklärt er in fließendem Deutsch, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p><em>Kurz vor der slowakisch-ungarischen Grenze sehen wir zum ersten Mal die rote Kelle: Anhalten, Rausfahren, Polizeikontrolle. Ein junger Polizist kommt in der weißen Uniform der slowakischen Autobahnpolizei ans Busfenster und bittet mit einem umwerfenden Lächeln um Führerschein und Fahrzeugpapiere. Ohne Vignette zu fahren könne bis zu 140 Euro kosten, erklärt er in fließendem Deutsch, wir kommen aber deutlich günstiger weg. Außerdem erklärt er sich sofort bereit, auf unserem Rückweg bei Nirgendsland  mitzumachen. Drei Wochen später dürfen wir unseren Bus (mit Vignette am Fenster!) in seinem Garten unter dem ausladenden Walnussbaum parken, den er als kleiner Junge mit seinem Großvater gepflanzt hat. Wenige Minuten später hat Patrik Brindza schon Bierbank und Tisch aufgebaut. Es dauert einige Zeit, bis wir ihm Fragen stellen können, denn erst mal möchte er alles über uns und unsere Reise wissen.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
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<blockquote>
<p>„Als Polizist ist jeder Tag anders.</p>
</blockquote>
<p>Während einer 12-Stunden-Schicht bin ich nur eine Stunde im Büro, den Rest der Zeit bin ich auf der Autobahn unterwegs. Wir fahren zum Beispiel zur polnisch-slowakischen Grenze oder ins Tatra-Gebirge und überprüfen LKWs und Kleinbusse, ob sie nicht zu schwer beladen sind. Wenn sie ihr maximales Gewicht überschreiten, ist das gefährlich, weil etwa die Bremsen nicht mehr so funktionieren, wie sie sollten. Außerdem kontrollieren wir, ob sie die Maut bezahlt haben. <br />Bei 99 Prozent der deutschen Fahrer ist leider alles korrekt. Aber wenn wir doch mal Deutsche stoppen, bin immer ich für sie zuständig, weil ich so gern deutsch spreche. Ich habe das in der Schule gelernt. Eine weitere Sprache, die mir sehr gut gefällt, ist Polnisch. Als ich vor fünf Jahren angefangen habe zu arbeiten, habe ich die polnischen Fahrer überhaupt nicht verstanden. Inzwischen verstehe ich fast alles und kann alles sagen, was ich für meine Arbeit auf der Straße brauche. Gelernt habe ich das von den Truckern, die ich angehalten habe. Polnische Fahrer fangen sehr oft an zu betteln: Bitte lassen Sie mich gehen, ich habe das nicht gewusst, es war das erste Mal, es war das letzte Mal und so weiter. Da lernt man schnell. <br />Inzwischen komme ich in meinem Job auf sehr vielen Sprachen klar: ukrainisch, russisch, bulgarisch, rumänisch, englisch, deutsch, polnisch, das geht. Die einzige Sprache, in der ich mir nichts merken kann, ist ungarisch. Das ist schrecklich schwer! Und die Fahrer aus Ungarn können in 90 Prozent der Fälle überhaupt keine andere Sprache oder möchten keine andere Sprache sprechen. Das macht es etwas kompliziert. Ich muss dann zu Zeichensprache, Stift und Papier übergehen. Ich schreibe ’50 Euro’ auf ein Blatt, nehme es in die eine Hand, den Führerschein des Fahrers in die andere, halte sie hoch und sage: ’No Euro, no Führerschein.’ Das funktioniert.<br />Es ist toll, bei der Arbeit viele unterschiedliche Menschen zu treffen. Ich freue mich immer, wenn ich sie sehe. Aber sie freuen sich nicht unbedingt, wenn sie mich sehen. Deswegen bin ich so freundlich wie möglich und komme immer mit einem Lächeln an ihr Fenster. Dann bin ich nicht automatisch ihr Feind und sie sind nicht so nervös. Fast immer bleiben die Fahrer freundlich, nur sehr wenige machen Probleme. Dann mache ich auch Probleme. Theoretisch könnte ich sogar das Nummernschild abnehmen, so dass sie nicht weiterfahren können, das passiert aber fast nie.<br />Eigentlich klappt es immer, dass die Leute zufrieden weiterfahren, selbst wenn ich ihnen eine Strafe geben muss. Ich erkläre halt, warum, und habe auch ein wenig Spielraum. Wenn sie hören, dass es viel teurer hätte sein können, sind sie dankbar, wenn die Sache glimpflich ausgegangen ist. Eine Zeit lang habe ich darüber nachgedacht, ob ich bei der Feuerwehr nicht besser aufgehoben wäre. Ich fänd es schöner, wenn ich in meinem Job nur helfen würde und keine Strafen vergeben müsste. Aber als Polizist mit Hochschulstudium verdiene ich noch verhältnismäßig viel für die Ostslowakei. Es würde keinen Sinn machen, bei der Feuerwehr in der Hierarchie wieder ganz unten anzufangen.“</p>
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<p><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/komplett.png"><img class=" wp-image-1461 alignleft" title="Korytne" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/previews_scheune-28.png" alt="" width="476" height="357" /></a><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/detail.png"><img class="wp-image-1458 alignnone" title="Detail" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/previews_scheune-29.png" alt="" width="336" height="349" /></a><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/stella.png"><img class="wp-image-1460 alignleft" title="Stella" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/previews_scheune-31.png" alt="" width="478" height="289" /></a><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/gras.png"><img class="wp-image-1459 alignnone" title="Parkgras" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/previews_scheune-30.png" alt="" width="297" height="311" /></a><img class="alignnone size-full wp-image-1484" title="Installationsansicht" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/titel-27.png" alt="" width="900" height="33" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p>„Das schönste Wort,</p>
</blockquote>
<p>das ich kenne, ist das deutsche Wort ’genießen’. Man kann das leicht sagen und es hat so eine weiche Endung – ’genießen’. Außerdem ist es vielseitig einsetzbar. Essen, Trinken, das Leben – all das kann man genießen. Ein gutes Wort ist das. Ich bin ein Genießer der kleinen Dinge. Gestern lag ich hier auf der Bank und habe durch die Krone des Walnussbaums hoch in den Himmel geguckt und mich über den Baum und die Blätter gefreut.<br /> Ich genieße es auch, meinen Rasen zu mähen. Momentan mach ich das zweimal in der Woche. Für manche mag das komisch klingen: Aber den Rasen direkt vor dem Haus, in dem ich mit meinen Eltern wohne, habe ich erst vor vier Jahren gesät. Es ist Parkgras, das ist sehr schön, hält aber auch was aus. Wenn ich den Rasen mähe, ist das so was wie ein Hobby. Bei der Wiese rund um unser Grundstück, zwischen Apfelbäumen und Scheune ist das anders. Das ist Arbeit.<br /> Ich arbeite viel zuhause mit. Es ist immer was zu tun: Holz hacken, Holz stapeln, eine Mauer ausbessern. Dafür ist es gut, dass ich bei der Polizei im Schichtdienst bin und 15 Tage im Monat frei habe. Ich habe also zwei verschiedene Alltage. Wenn ich zuhause bin, arbeite ich  eher körperlich. Da muss ich nicht denken und sehe am Abend, was ich gemacht habe, das gefällt mir. Allerdings bin ich dann auch kaputt. Wenn ich mich entscheiden müsste, ob ich das ganze Leben mit dem Kopf oder mit meinem Körper arbeiten müsste, würde ich mich für den Kopf entscheiden. Da hält man die Arbeit länger durch und zerstört sich nicht so sehr. Alte Leute, die ihr Leben lang mit dem Kopf gearbeitet haben, sehen besser aus als solche, die jeden Tag körperlich gearbeitet haben.<br />Andererseits merke ich auch, dass mein Kopf sehr voll ist, wenn ich eine hektische Woche bei der Polizei hatte. Dann brauche ich Natur um mich und gehe mit meinem Schäferhund Stella in den Wald. Das ist, als würde ich den Reset-Knopf drücken.<br /> Ich bin halt auch in einem Dorf ohne Kneipe aufgewachsen. Dafür kenne ich alle 150 Menschen hier mit Vor- und Nachnamen. Als Kinder haben wir in den Schulferien nachmittags immer zusammen Fußball gespielt. Danach sind wir losgezogen und haben trockenes Holz gesammelt, sind nach Hause gerannt, haben uns mit Würstchen eingedeckt und sie abends zusammen über dem Feuer gegrillt. Inzwischen sind alle Freunde in meinem Alter weggezogen und haben schon ein oder zwei Kinder. Mich zieht es hier nicht weg. Bei meinem jüngeren Bruder ist das anders. Er wollte unbedingt nach Kanada und hat das auch hingekriegt. Er schafft immer, was er schaffen will. Deshalb bin ich sehr stolz auf ihn! Für mich wäre es später vielleicht praktisch, etwas näher an einer Stadt zu wohnen, damit die Wege zur Arbeit und zum Einkaufen nicht so lang sind. Aber darüber kann ich nachdenken, wenn ich irgendwann eine eigene Familie gründen und ein Haus bauen möchte. Das muss jetzt noch nicht sein. Dafür genieße ich meine Freiheit zu sehr.“</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Drecksarbeit</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Aug 2012 15:54:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schoener</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Slowakei]]></category>

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		<description><![CDATA[ An diesem hübschen Platz hat Johanna die Gespräche mit Razvan Dumitrascu abgetippt – und sich zurück in seinen Gemüsegarten gewünscht. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/Drecksarbeit.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1507" title="Drecksarbeit" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/Drecksarbeit.jpg" alt="" width="600" height="448" /></a></p>
<p> An diesem hübschen Platz hat Johanna die Gespräche mit <a href="http://nirgendsland.eu/razvan_dumitrascu/">Razvan Dumitrascu</a> abgetippt – und sich zurück in seinen Gemüsegarten gewünscht. </p>
]]></content:encoded>
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		<title>Geboren am 2. Juli 1976; Straßenpunk</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Aug 2012 18:52:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nirgendsland</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Budapest]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; In der Andrassy ut im Zentrum von Budapest läuft ein Straßenpärchen vorbei an Läden von Louis Vuitton, Dolce &#38; Gabbana, Burberry und schnorrt. Zwischendurch bleiben sie stehen und knutschen. Er wirkt älter als er ist, weil er deutlich zu wenig Kilos auf den Rippen hat, sie ist auf kindliche Weise dünn. Als sie uns [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p><em>In der Andrassy ut im Zentrum von Budapest läuft ein Straßenpärchen vorbei an Läden von Louis Vuitton, Dolce &amp; Gabbana, Burberry und schnorrt. Zwischendurch bleiben sie stehen und knutschen. Er wirkt älter als er ist, weil er deutlich zu wenig Kilos auf den Rippen hat, sie ist auf kindliche Weise dünn. Als sie uns um Geld bitten, fragen wir sie, ob sie sich am nächsten Tag mit uns treffen, wir würden ihnen auch etwas zu essen kaufen. „Ja, klar, 14 Uhr, hier vorm Supermarkt“, sagt Laszlo Jozsef Balkol. Wir glauben nicht, dass sie kommen, doch tags darauf sind sie um Punkt 14 Uhr da. Er hat seinen Irokesenschnitt gestylt und wünscht sich, dass wir irgendwas im Supermarkt einkaufen, egal was, er wolle sich überraschen lassen. Sie ist genauso schweigsam wie am Vortag, stopft den viel zu süßen Kuchen in sich rein und raucht. Er redet viel und etwas wirr, es ist schwer zu entscheiden, was davon wahr ist und was er erzählt, um einen guten Eindruck zu machen. Denn darum ist er sehr bemüht, so höflich, wie er jedes Mal fragt, bevor er sich noch ein Stück der ungarischen Salami nimmt.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p>„Leben ist schwierig.</p>
</blockquote>
<p>Aber es bleibt einem ja nichts anderes übrig als zu leben. Ich bin den ganzen Tag auf der Straße und schnorre. Doch die Ungarn geben kaum Geld. Entweder sie haben selbst nix oder sie denken nur an ihr Konto. Dieses verrückte Land! Wenn Du nach einer Zigarette fragst, sagen sie immer: Ich rauche nicht. Dass Du eben selbst gesehen hast, wie sie eine Packung gekauft haben – scheißegal.<br /> <strong>Manchmal wünsche ich mir, dass sie auch alles verlieren und auf der Straße landen: ohne Geld, ohne Zigaretten, ohne Handy, ohne Hilfe. Mir hilft niemand, nicht die Leute auf den Straßen, nicht der Staat, niemand. </strong> <br /> Diese Schnorrerei ist irre anstrengend. In den letzten fünf Monaten habe ich zehn Kilo abgenommen. Mein Magen ist kaputt. Ich penne immer bei irgendwelchen Freunden auf dem Boden, alle paar Tage bei jemand anderem, auf der Straße ist es mir zu gefährlich. Mein ganzes Leben ist so chaotisch, ich kann mich nie ausruhen. Und in ein Obdachlosenheim kann ich auch nicht. Denn da dürfte ich nicht zusammen mit meiner Freundin hin. Ich hab Erika vor ein paar Monaten auf der Straße kennengelernt. Sie ist erst 15. Ich hab zu ihr gesagt: Hey, ich hab eine Tochter in Österreich, die auch 15 ist. Ich bin schon eine alte Sau! Aber ihr war das egal. Passt, hat sie gesagt. Jetzt wollen wir zusammen nach Wien. Da ist alles besser. Ich hab da schon mal gearbeitet als Maler, schwarz. Das war gutes Geld.<br /> <strong>Wozu soll ich in Budapest arbeiten, wenn ich nur 300 Euro im Monat verdiene? Das ist doch ein Witz! Wie soll man denn davon ein Zimmer, Essen und alles andere bezahlen? Und am Samstag will man vielleicht auch mal Party machen. Das ist eine Katastrophe. In Wien verdient man mindestens 1250 Euro im Monat. Wenn ich es dahin schaffe, will ich nie wieder zurück nach Ungarn kommen, nicht mal als Tourist. Dieses Land geht den Bach runter. Ich will eine hübsche Frau aus Österreich heiraten und die doppelte Staatsbürgerschaft bekommen.<br /></strong>Ich habe schon eine Chance bei der Mutter meiner Tochter. Mal sehen, ob das klappt und was ich dann mit Erika mache. Ich will, dass sie auch ein besseres Leben hat. Sie ist von ihren Eltern geschlagen worden und weggelaufen, das war ein bisschen wie bei mir früher. Mein Vater hat mich auch geprügelt. Mit 16 bin ich dann ausgezogen und hab die Schule abgebrochen, damit ich arbeiten und meine Wohnung bezahlen konnte. Eine Ausbildung hab ich nie gemacht. Jetzt steh ich so ziemlich ohne alles da. Mit meinem Vater hab ich seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr gehabt und ich will ihm auch keine Probleme machen, schwieriger Typ. Meine Mutter ist tot und Geschwister hab ich keine.<br />Wir müssen jetzt einfach diese verdammten 38 Euro für zwei Bustickets nach Wien zusammenkriegen. Wenn man gerade mal vier bis fünf Euro am Tag schnorrt, ist es sauschwer, was zu sparen. Ich hab schon zweimal versucht, mit dem Zug schwarz zu fahren, wurde aber erwischt und bin rausgeflogen. Dann hab ich versucht zu trampen, fünf, sechs Stunden gewartet. Keine Chance.<br /> <strong>Eigentlich ist Wien ja gar nicht weit weg, aber wenn man kein Geld hat, ist es sehr weit.</strong><br />Was soll ich machen in diesem Land ohne Geld? Nichts! Stehlen will ich nicht. Es geht nur schnorren, hierbleiben und warten. Das ist die einzige Möglichkeit für mich. Ich will keine Scheiße bauen. Ich kenne jemanden, der wegen zwei geklauten Brötchen zwei Tage im Gefängnis saß.<br /> Die Polizei hier ist echt brutal. Einmal haben sie mich beim Schnorren erwischt und gesagt: Das ist hier verboten. Und ich so: Alter, was soll ich machen? Ich will was zu essen kaufen!  Dann ist einer der Polizisten ausgerastet, weil ich ihn Alter genannt hab – und hat mir mit dem Schlagstock die Nase gebrochen. Hier, deswegen steht auf meinen Fingern an der rechten Hand auch: A, C, A, B. Das heißt: All cops are bastards. Ich hab mir das selbst gestochen. Tat nicht weh, ich brauchte noch nicht mal Wodka oder so. Kein Problem. Die Initialen auf der anderen Hand heißen übersetzt: Zigeunerische Kaputtmaschine, das ist eine Punkband aus Ungarn. Ich bin halt Punker, ich find auch die Ohrbooten und Rammstein total geil.<br /> <strong>Auf meinem Rücken steht Freiheit 76. Kein Zufall, dass das auf Deutsch ist. Ich weiß, dass ich es irgendwann schaffe, nach Österreich zu gehen, dann zwei Tage chillen, duschen, schlafen und Vollgas geben und arbeiten. Das ist mein Traum.</strong><br /> Von meinem Land bin ich so enttäuscht. Pfui, ich hasse es! Es ist schlimm, wenn man das seinem eigenen Land gegenüber empfindet, zu dem man ja eigentlich gehört. Früher war ich stolz ungarisch zu sein. Jetzt bin ich fertig damit.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_1376" class="wp-caption alignright" style="width: 910px"><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/josef_web.png"><img class=" wp-image-1376 " title="Josef" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/josef_preview.png" alt="" width="900" height="312" /></a><p class="wp-caption-text">Eine Stunde auf dem Boden vorm Supermarkt</p></div>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Besuch aus Berlin</title>
		<link>http://nirgendsland.eu/kooperation/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Aug 2012 12:08:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nirgendsland</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Rumänien]]></category>

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		<description><![CDATA[Bettina zur Abwechslung mal ohne Johanna unterwegs im Nordosten Rumäniens &#8211; zusammen mit der Berliner Künstlerin Daniela Neuhaus.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/weisse_mara2.png"><img class="wp-image-1248 alignleft" title="Mara2" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/preview_mara1.png" alt="" width="190" height="231" /></a><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/weisse_kette.png"><img class="wp-image-1193 alignleft" title="Kette" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/preview_kette1.png" alt="" width="190" height="240" /></a><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/weisse_viscri.png"><img class="wp-image-1192 alignnone" title="Viscri" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/preview_viscri1.png" alt="" width="190" height="231" /></a></p>
<p><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/weisse_maske.png"><img class="wp-image-1207 alignleft" title="Maske" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/preview_maske1.png" alt="" width="190" height="231" /></a><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/weisse_viscri2.png"><img class="wp-image-1206 alignleft" title="Viscri 2" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/preview_viscri21.png" alt="" width="190" height="240" /></a><a href="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/weisse_loewe.png"><img class="wp-image-1196 alignnone" title="Löwe" src="http://nirgendsland.eu/wp-content/uploads/2012/08/preview_loewe1.png" alt="" width="190" height="231" /></a></p>
<p>Bettina zur Abwechslung mal ohne Johanna unterwegs im Nordosten Rumäniens &#8211; zusammen mit der Berliner Künstlerin Daniela Neuhaus.</p>
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